Geschichten und Bräuche rund ums Heiraten – zum Beispiel: in der Türkei

Hochzeits-Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben

17. Juli 2012

Bei türkischen Hochzeiten spielt Geld eine wichtige Rolle. Nicht nur, weil das Brautpaar gleich mehrere Feste finanzieren muss.

Von einer türkischen Kollegin habe ich einige interessante Informationen erhalten, wie eine klassische türkische Hochzeit abläuft. Auch wenn heute die in Deutschland lebenden Türken die verschiedenen Rituale oft nicht mehr ganz so eng auslegen, spielen die Bräuche noch immer in vielen Familien eine sehr wichtige Rolle.

In der türkischen Tradition gibt es mehrere Stufen bis zur Hochzeit: das „sich-einander -Versprechen“, das „um-die-Hand-anhalten“, die Verlobung, den Henna-Abend und die Hochzeit.

„Sich-einander -Versprechen“ und „um-die-Hand-anhalten“

Bei den ersten Treffen geht es darum, dass sich die Familien im Elternhaus der Braut treffen und dem Brautpaar den Segen geben. Hier können schon 30 bis 40 Personen zusammen sein können. Das älteste Mitglied der Familie des Bräutigams bittet um die Hand der Braut. Die Familie des Bräutigams gibt der Braut allerlei kleinere Geschenke. In machen Fällen tauscht das Brautpaar schon hier die Ringe.

Verlobung

Zur Verlobung bekommen Braut und Bräutigam jeweils eine Holztruhe mit Geschenken, wie Kleidung, Wäsche, Gardinen, Handtücher. Diese Geschenke sammeln die Familien oft über Jahre und natürlich stellen die Frauen auch viel davon selbst her.

Die beiden Verlobungsringe erhält das Brautpaar an einer roten Schnur, die für Jungfräulichkeit steht. Das Paar zerschneidet die Schnur und steckt sich die Ringe an, traditionell an die rechte Hand.

Zur Verlobung gibt es eine große Feier mit Essen und Getränken, bei der etwa 300 bis 1.000 Personen anwesend sind. Der Bräutigam trägt einen Anzug, die Braut ein Ballkleid. Alle Kosten der Verlobung – durchschnittlich etwa 5.000 bis 15.000 Euro – trägt die Familie der Braut.

Henna-Abend

Der Henna-Abend ist eine Mischung aus Polterabend und Junggesellenabschied: die Frauen treffen sich in traditionellen Gewändern und bestreichen sich die Hände mit Henna-Farbe. Ziert sich eine Braut, darf sie mit Goldtalern „bestochen“ werden. Dann benötigt die Braut ein weiteres Ballkleid, denn in diesem nimmt sie offiziell Abschied von Ihrer Familie. Auch für den Henna-Abend muss die Familie der Braut etwa 500 Euro an Kosten einplanen.

Heiraten bedeutet für türkische Brautpaare auch eine hohe finazielle Belastung.

Auszug in ein neues Leben

Erst dann zieht das Brautpaar in der Regel zusammen. Nach der türkischen Tradition muss die Wohnung des jungen Paares komplett neu eingerichtet werden.

Abhängig von der Region, aus der die Braut stammt, gibt es den Brauch, dass sie oder ihre Familie einen bestimmten Raum (z.B.: Schlafzimmer, Küche) einrichtet. Die restlichen Kosten für das neue Domizil muss der Bräutigam tragen.

Hochzeit

Wenn der Bräutigam dann an der Türe der Brauteltern klopft, um seine Frau abzuholen, lassen ihn die Geschwister und Verwandten erst eintreten, nachdem er ihnen Goldgeschenke gegeben hat.

Die Braut trägt zur Hochzeit ein weißes Kleid als Zeichen für Reinheit. Die Hochzeit ist dann das größte Fest. Hier gibt es 3-5 Gänge Menüs für 500 – 2.500 Gäste. Die gesamten Kosten für die Hochzeit müssen der Bräutigam und seine Familie tragen. Darüber hinaus schenkt die Familie des Bräutigams der Braut wertvollen Goldschmuck. So muss die Familie des Bräutigams in der Regel mindestens 15.000 bis 20.000 Euro für die Hochzeit aufbringen.

Die anderen Gäste schenken der Braut Goldmünzen, die sie während der Feier an eine rote Schleife hängen, die die Braut trägt. Das Gold steht für die „Sicherheit“ mit der das Brautpaar das Eheleben beginnen soll. Die Eheringe werden traditionell an der linken Hand getragen.

Übrigens: Für die Trauung vor Allah kommt oft der Imam zusammen mit den Eltern zum Brautpaar nach hause. Hierbei sind keine weiteren Gäste anwesend.

Welche Hochzeitsbräuche aus verschiedenen Kulturkreisen kennen Sie?

Melanie Klagmann

MELANIE KLAGMANN


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