Interview mit Jan W. Wagner, Vorstandsvorsitzender von CreditPlus

Der Ruf des Kredits

Jan W. Wagner, Vorstandsvorsitzender bei CreditPlus

16. Oktober 2012

Im Interview spricht unser Vorstandsvorsitzender Jan W. Wagner über das Image des Kredits. Eine verantwortungsvolle Kreditvergabe und die Förderung der finanziellen Allgemeinbildung sind dabei zentral.

“Über Geld spricht man nicht”, sagt der Volksmund.

Gilt das auch für Kredite?

Etwa die Hälfte aller Deutschen spricht in der Familie sehr wohl offen über ihre finanzielle Lage. Über das Thema Kreditaufnahme wollen aber fast dreiviertel weder mit der Familie noch mit Freunden sprechen.[1] Dabei hatten die Bundesbürger Mitte 2012 Ratenkredite in Höhe von etwa 147,3 Milliarden Euro.[2] Vielen Kunden ist es eher unangenehm, fremdes Kapital zu benötigen. Dabei ist zum Beispiel der Hauskauf ohne eine Kreditaufnahme häufig gar nicht zu leisten.

Jan W. Wagner, Vorstandsvorsitzender bei CreditPlus

Weshalb sind Kredite Ihrer Meinung nach noch immer ein Tabu-Thema? Hängt das mit dem Ruf des Kredits zusammen?

Das Image des Kredits ist neutral, denn knapp 80 Prozent bewerten die Aufnahme eines Kredits weder negativ noch positiv.[3] Zum Tabu wird das Thema vielmehr dadurch, dass die Menschen schlecht informiert sind. Das bestätigte auch eine unserer Umfragen im letzten Jahr. Darin wollten wir wissen: Wie hoch schätzen Sie die tatsächlichen Kosten für einen Kredit über 8.000 Euro ein? Über 60 Prozent schätzten die Kosten zu hoch ein, knapp 30 Prozent zu niedrig. Nur 9 Prozent hatten eine realistische Vorstellung.

So erklärt sich auch, wie manche Vorurteile in Bezug auf den Kredit ent- und bestehen können. Zum Beispiel die Behauptung, dass ein Kredit gleich Überschuldung bedeutet. Um dies zu entkräften, haben wir beispielsweise gemeinsam mit den Mitgliedern des Bankenfachverbandes einen Kodex zur verantwortungsvollen Kreditvergabe unterzeichnet. Denn wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und wollen sichergehen, dass unsere Kunden ihre Kredite auch zurückzahlen können. Dies spiegelt sich in unserer niedrigen Risiko-Quote wider, die Ende 2011 bei 1,17 Prozent lag.

Wie steuern Sie der Unsicherheit und den Fehleinschätzungen entgegen?

Als Bank enttabuisieren wir das Thema Kredit und sorgen für mehr Aufklärung. Denn die finanzielle Allgemeinbildung ist in Deutschland noch immer auf einem niedrigen Niveau. Daher versuchen wir beispielsweise mit unserem Schulprojekt zum täglichen Umgang mit Geld, einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung zu leisten. Unsere Mitarbeiter, die in die Schulen gehen, berichten oft, dass sich die jungen Leute zum ersten Mal mit ihren Einnahmen und Ausgaben auseinandersetzen.

Unser Projekt mit der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart zielt in eine ähnliche Richtung: Hier üben zum Beispiel Jugendliche ohne Berufsabschluss in Praxis-Workshops, wie man sich eine Wohnung sucht, welche Kosten es neben der Kaltmiete gibt oder welche Verpflichtungen mit einem Handyvertrag entstehen. Die Jugendlichen lernen, die Chancen und Risiken im Umgang mit Geld zu erkennen und zu verstehen.

Last but not least können auch unsere Social Media Kanäle dazu beitragen, dass sich interessierte Menschen mit dem täglichen Umgang mit Geld befassen.

 

In den genannten Zahlen bezieht sich Jan W. Wagner auf folgende Quellen:

[1] http://www.creditplus.de/fileadmin/pics/Pressefotos/Pressemeldungen/Bericht_CreditPlus_Konsumentenkredit.pdf

[2] http://www.bfach.de/bankenfachverband.php/cat/6/aid/1260

[3] http://www.creditplus.de/fileadmin/pics/Pressefotos/Pressemeldungen/CP_110525_Quick_Survey.pdf

Weiterführende Links:

Blogbeitrag zum Schulprojekt

Blogbeitrag zu unserem Projekt mit der Evangelischen Gesellschaft (eva)

Melanie Klagmann

MELANIE KLAGMANN


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