Creditplus Ausbildung und Corona – Teil 1

Eine Ausbildung in Zeiten von Homeoffice, Telefonkonferenzen und 1,5 Meter Abstand oder Masken zur Sicherheit von Ausbilder und Auszubildendem ist eine ziemliche Umstellung zum Normalzustand, oder?

Ausbildungsberuf ist nicht gleich Ausbildungsberuf

Das sollte man zumindest meinen. Und für viele Ausbildungsberufe, wie z.B. Kauffrau/ -mann für Büromanagement ist das auch der Fall. Die IT ist jedoch im digitalen Metier heimisch, braucht z.B. keine statischen Ordner-/ Ablagesysteme und kommt alles in allem hervorragend mit der neuen Situation zurecht. Warum das so ist, beleuchtet der folgende Blick hinter die Kulissen anhand von Informationen der aktuellen Ausbilder Hr. Frank (Systemadministrator) und Hr. Oneisz (Anwendungsentwickler), die seit 2019 die Ausbildung der Fachinformatiker bei der Creditplus Bank durchführen – bei der 1/6 der Belegschaft in der IT arbeitet.

Stellhebel der Ausbildung

Um eine gute Ausbildung zu gewährleisten gibt es viele Methoden. Eines ist jedoch unablässig: Mehrere Stellhebel zu haben, die reibungslos in einander greifen und die Funktionalität des Ausbildungsprozesses ermöglichen. Im Interview mit den Ausbildern kam heraus, dass die Kommunikation, die Organisation und die Dokumentation die Basis für eine gute Wissensvermittlung ergeben. 

Aber wie funktioniert das konkret bei Creditplus?

Kommunikation

In der Praxis bei Creditplus findet die Kommunikation auf vielfältige Weise statt. Es gibt meist jeden Tag eine kurze Abstimmung mit den Auszubildenden: Fr. Marelja (FISI (Fachinformatiker Systemintegration)), Hr. Bartsch (FIAE (Fachinformatiker Anwendungsentwicklung)) und seit September 2020 auch Hr. Krämer (FISI). In den Einzelgesprächen mit den Auszubildenden können per Screensharing Sachverhalte erklärt und Hilfestellungen gegeben werden. Des Weiteren werden auch wöchentliche Besprechungen mit allen Auszubildenden via Telefonkonferenz per Skype und Screensharing abgehalten. Natürlich steht auch jederzeit die Kommunikation über E-Mail zur Verfügung.

„Anfangs war es eine Umstellung: vom täglichen ins Büro fahren zu circa drei Monaten nur von zu Hause aus arbeiten. Besonders gut fand ich, dass sich die Ausbilder umgestellt haben, auf Skype und Telefonkonferenzen. Und dass das Wissen durch Aufgaben eigenständig erarbeitet werden konnte. Regelmäßige Meetings zur Aufarbeitung der Themen waren ebenfalls von Vorteil. Trotz Homeoffice waren alle erreichbar und jeder aus dem Team hat sich bei Fragen Zeit genommen“, meint Hr. Bartsch, Auszubildender FIAE.

Organisation

In Confluence, dem „Creditpluswiki“, stehen den IT Auszubildenden eine Vielzahl von Informationen zur Verfügung: Der Betriebliche Ausbildungsplan, aktuelle wie kommende und vergangene Lehreinheiten, Materialien zur Prüfungsvorbereitung, die Prüfungsordnung sowie ein Urlaubskalender, die Berichthefte und Präsentationen der Auszubildenden und vieles mehr. Darüber findet auch ein Großteil der Organisation der Ausbildung statt.

In einem eigenen Bereich in Confluence sind die Umlaufpläne der Auszubildenden festgehalten: Wer wo wann was lernt.

Genauso gibt es Themenlisten, in denen der IHK Lehrplan auf Creditplus Basis aufgesplittet und so zu greifbaren Themenvorgaben wird, die durch die Ausbilder an die Auszubildenden vermittelt werden können. Im Lehrverlauf, besonders aktuell, sieht die Organisation dann über mehrere Wochen gehende thematische Aufgaben für die Auszubildenden vor, deren Fortschritt durch Updates an den Ausbilder gemessen werden.

Auch die Sozialkompetenzen kommen nicht zu kurz. Diese werden besonders innerhalb der Auszubildendengruppe trainiert, in der auch Ausflüge zur Stärkung des Teambuildings unternommen werden. Fr. Wickert, die Ausbildungsleiterin der Creditplus Bank AG, berichtete von der Tradition, die die Ausbildung bei Creditplus hat und zieht ein Zwischenfazit nach der bisherigen Coronazeit: „Ich sehe großes Engagement bei Ausbildern wie Auszubildenden und daraus resultierendes gegenseitiges Vertrauen. Das ist toll!“

So ähnlich berichten es auch die Ausbilder. In Zeiten von Corona ist die sprichwörtliche „Anwesenheitskontrolle“ nämlich etwas in den Hintergrund, dafür sind die folgenden Punkte in den Fokus gerückt:

  • Das Vertrauen gegenüber den Auszubildenden ist die Basis einer guten Ausbildung. Die Auszubildenden haben den Beruf überlegt gewählt und sind motiviert.
  • Die Versprechen der Auszubildenden (gerade auch in aktuellen Zeiten) sind als Selbstverpflichtung zur Leistung zu verstehen.
  • Der Lernfortschritt erfolgt über das aktive Tun und dient zur Kontrolle sowie als Indikator des Ausbildungsverlaufs für die Ausbilder.

Dokumentation

Eine Dokumentation dessen, was die Auszubildenden im Ausbildungsprozess durchlaufen, ist wichtig – nicht nur für Creditplus, sondern auch später, für den Abschluss der Ausbildung.

Im Berichtheft wird genau protokolliert, was gemacht wurde, dieses ist im persönlichen Confluence-Bereich der Azubis abgelegt und wird regelmäßig von den Ausbildern kontrolliert. Förderlich sind auch Präsentationen der Auszubildenden zur Prüfungsvorbereitung mit ca. 10-12 Folien über Skype, oder auch mit Abstand in Anwesenheit bei der Creditplus, damit die Auszubildenden schlussendlich gut vorbereitet vor die drei Prüfer der IHK treten können.

Fazit der bisherigen Ausbildungszeit während der Pandemie

Meist waren die Auszubildenden im Homeoffice, teilweise auch vor Ort.

Pro +

Für die Creditplus Ausbilder aus der IT hat sich gezeigt, dass sich die meisten Themen auch gut aus der Ferne lehren lassen. Und diese Art der Vermittlung von Inhalten beinahe gleichwertig ist, als währenddessen neben dem Auszubildenden zu sitzen. Tatsächlich wirkt sich die geringere Ablenkung, durch z.B. Passanten auf dem Flur, in Form von gesteigerter Konzentration und so einem höheren Leistungspensum aus.

„Im Homeoffice konnte man sich gut auf einzelne Themen konzentrieren und hatte wenige Ablenkungen, aber es fehlte der soziale Kontakt zu den Arbeitskollegen und Azubis, das hat man nach einiger Zeit gemerkt“, sagt Hr. Bartsch, Auszubildender FIAE.

Contra –

Natürlich fehlt der persönliche Kontakt mit dem Gegenüber. Die Körpersprache (Gestik wie Mimik) bei den meisten Gesprächen entfällt und dadurch auch die subjektive Einschätzung, die die sozialen Nuancen des Ausbilderberufes mit sich bringt. Dem kann jedoch durch Nachfragen entgegengewirkt werden. Problematisch wird es nur dann, wenn Verbindungsabbrüche und Ausfälle der Technik die Kommunikation im Allgemeinen erschweren.

Was ist das Fazit für die Zukunft?

Corona hat die Ausbildung in der IT nicht sonderlich (aber schon ein bisschen) beeinträchtigt und Homeoffice bei Auszubildenden dieses Ausbildungsberufes hat vermutlich durchaus Zukunft, sobald sie die ersten Wochen im Betrieb mit allem vertraut gemacht wurden – sagen die IT Ausbilder bei Creditplus. Der in der Coronazeit eingestellte FISI Hr. Krämer ist sogar jetzt schon richtig begeistert!

Was noch auf der Wunschliste für die Zukunft steht? Mehr mit Videoübertragung zu arbeiten, um den persönlichen Kontakt zu intensivieren.

„Zu Beginn war es eine große Herausforderung. Wie wird alles ablaufen? Wird eine Ausbildung aus dem Homeoffice funktionieren? Ich war überrascht, wie gut die einzelnen Komponenten zusammengespielt haben. Zum Beispiel konnten Ausbildungsinhalte per Desktoppräsentation und Telefonat, via Skype, gut vermittelt werden. Jedoch sind einige Tätigkeiten die in der FISI-Ausbildung ausgeübt werden nicht möglich ohne die entsprechende Hardware, weshalb ein guter Mix aus Homeoffice und tatsächlich Vorort sein, bestimmt angemessen wäre“, so Fr. Marelja, Auszubildende FISI.

Fortsetzung folgt…