Ehrenamt in Stuttgart

„Die Motive sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst“

Ilona Liedel, Ehrenamtsbeauftragte und Geschäftsführerin der Stuttgarter Freiwilligenagentur

15. August 2013

Für ein gutes Miteinander: CreditPlus sprach mit Ilona Liedel über ihre Aufgaben als Ehrenamtsbeauftragte der Landeshauptstadt Stuttgart und die Motive für freiwilliges Engagement.

Frau Liedel, wieso gibt es in Stuttgart eine Ehrenamtsbeauftragte? Und warum wird das bürgerschaftliche Engagement in unserer Gesellschaft immer wichtiger?

Als Ehrenamtsbeauftragte bin ich auch Geschäftsführerin der Stuttgarter Freiwilligenagentur. Dort bringen wir Organisationen und an Engagement interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen. Das heißt konkret: Jemand möchte sich für ein bestimmtes Thema einsetzen, weiß aber noch nicht genau, wo und in welchem Rahmen er das tun kann. Dann kommen wir ins Spiel, indem wir Beratung bieten oder den Interessenten an einen der 50 Ehrenamtsbeauftragten in den Stuttgarter Stadtbezirken weiterleiten. Die Kollegen dort kennen das lokale Angebot an Vereinen oder Initiativen natürlich am Besten.

Dass das bürgerschaftliche Engagement immer wichtiger wird, ist unter anderem dem demographischen Wandel geschuldet. Durch die zunehmende Mobilität, die auf dem Arbeitsmarkt gefordert ist, sind familiäre Bindungen schwerer aufrecht zu erhalten. Auf politischer Ebene ist zudem der Wegfall des Zivildienstes im Jahr 2011 zu nennen, soziale Einrichtungen müssen jetzt mit weniger Personal zurecht kommen. Und: Vielen Menschen ist es einfach wichtig, etwas für ein gutes Miteinander zu tun. Sie erleben ihr Engagement als Gegenpol zur Schnelllebigkeit unserer Zeit.

Aus Ihrer Erfahrung: Welches sind die wichtigsten persönlichen Beweggründe für ehrenamtliches Engagement?

Ilona Liedel, Ehrenamtsbeauftragte und Geschäftsführerin der Stuttgarter Freiwilligenagentur

Ilona Liedel, Ehrenamtsbeauftragte und Geschäftsführerin der Stuttgarter Freiwilligenagentur

Die Motive sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Manche suchen Kontakt oder nutzen die Möglichkeiten des Ehrenamts, um sich fortzubilden.

Häufig entsteht das Interesse an einem Thema durch eigene Betroffenheit – zum Beispiel wenn die Pflege der demenzkranken Mutter nach deren Tod zu einem Einsatz im Pflegeheim führt.

Für nahezu alle engagierten Menschen gehört das Ehrenamt zu einem sinnerfüllten Leben mit dazu.

 

 

Ein paar Zahlen und Fakten: Wie viele Stuttgarter Bürger sind ehrenamtlich aktiv?

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2009 hat ergeben, dass sich 24 Prozent der Stuttgarter Bürger ab 18 Jahren freiwillig engagieren. Aber auch die Jugendlichen sind aktiv, wie uns die Baden-Württemberger Zahlen zeigen: 36 Prozent der jungen Menschen ab 14 Jahren setzen sich für ein Ehrenamt ein. Sie engagieren sich zum Beispiel im Sportverein, in der Kirche oder bei der freiwilligen Feuerwehr.

Wie kommen die Unternehmen ins Spiel?

Betriebe, die sich sozial einsetzen, sind herzlich willkommen. Wichtig ist allerdings, dass das Engagement auf Nachhaltigkeit angelegt und in die Unternehmenskultur integriert ist. Einmalige, isolierte Aktionen haben keinen Sinn und bringen auch den sozialen Einrichtungen wenig. Meine Vision für die Zukunft ist, dass Unternehmen Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen – und zwar über Spenden- und Stiftungsgelder hinaus.

Weiterführende Links:

Hier finden Sie die Stuttgarter Freiwilligenagentur im Netz: www.stuttgart.de/freiwilligenagentur

Hier gehts zum Projekt Plus:Für Andere der CreditPlus Bank: www.creditplusblog.de/plus

Mirjam Hübner

MIRJAM HüBNER


Kommentieren Sie diesen Artikel

Hinweis: Ihr Kommentar wird nach der Freischaltung durch die Redaktion veröffentlicht. * = Pflichtfeld. Zum Schutz vor Spam lösen Sie bitte eine kleine Rechenaufgabe.